Lasst uns die Sinne mobilisieren.

Gehen wir heute für einmal auf die Seelen der Produkte ein und darauf, wie man mit ihrer Hilfe die Kauflust beeinflussen kann. Süssigkeiten zum Beispiel sind mit Musik vergleichbar oder Motorräder und schnelle Wagen mit Naturgewalten. Wenn wir die Seele eines Produktes versinnbildlichen wollen, müssen wir die Sinne wecken. Die Erinnerung ans Hören, Fühlen, Sehen, Berühren, Riechen und Schmecken ist weitaus effektiver als ausführliche, rationale Beschreibungen. Alles kann irgendwie lebendig sein – eine Säge beispielsweise könnte ein Schwert symbolisieren, das den Benutzer zum Helden macht. Sobald das Produkt mit der Persönlichkeit der potentiellen Käufer in Einklang gebracht wird, verliert es den Aspekt des reinen Gegenstandes. Es wird zum Teil des Lebens, der Tätigkeit oder der Persönlichkeit.

 

C. G. Jung hat mit seinen Forschungen rund um Symbole und deren Wirkungen vieles von dem vorweggenommen, was sich die Werbung bis heute zu Nutze macht. Auch wenn die Zeiten sich rasend schnell ändern – der Mensch bleibt der Mensch. Nähe und Leidenschaft funktioniert fast immer, wenn sie gut umgesetzt werden. Hornbach beispielsweise versteht es ausgezeichnet, aus Gartenwerkzeug eine Art Beziehungsersatz zu machen. Harte Männer werden butterweich und zärtlich, wenn sie damit arbeiten. Wenn wir bei tomtext Reportagen oder Broschüren schreiben, sind wir Teil einer geschriebenen Filmszene und erreichen so eine Tiefe, die durch simples Beschreiben von Produkten oder Dienstleistungen aus nicht möglich wäre. Auch alles, was mit der Kindheit verknüpft ist, hat eine starke Wirkung und wird je nach Erlebniserfahrung positiv oder weniger positiv assoziiert. Und es gibt emotionale Reize, die für die reine Aufmerksamkeit nahezu immer funktionieren, zB. idyllische Natur, Vintage-Sachen, Babygesichter (wird oft bei Produktedesigns eingesetzt) oder Frauenbrüste (Muttersymbolik).

 

Wenn wir die Seele des Produktes gefunden haben, sollten wir sie zum Leben erwecken. Zum Beispiel mit fantastischen Geschichten, unterhaltsamen Stories, umwerfend guten Bildern oder genialen Packshots. Jede Form von Werbung ist eine ästhetische Erfahrung. Leblose Produkte haben in wirksamer Werbung keinen Platz, weil jedes Produkt Charakter haben sollte. Dasselbe gilt für stereotypen Erlebniswelten, beispielsweise massenhafte Stockbilder, mit den immer gleichen Gesichtern oder typischen Branchenklischees. Charakter bedeutet in der Werbung auch eine Einzigartigkeit, die zum Gesamtimage der Marke passt. Einfach ist das nicht. Das sieht man ja auch, wenn man sich die Durchschnittswerbung so anschaut.

 

Am Ende des Tages sind und bleiben die gleichen Regeln, um Wirkung und Aufmerksamkeit zu erzielen, wie das schon immer der Fall war. Der Mensch ist ein soziales Wesen mit sozialen Bedürfnissen, Träumen und Alltagssorgen. All das sind Erlebnisfelder, die mit Kreativität und Witz zur fantastischen Bühne für gute Kommunikation gemacht werden können.

 

Solange wir den transhumanistischen Fantasien eines Bill Gates oder Klaus Schwab noch nicht erliegen, sind die echten Menschen noch immer etwas vom Wunderbarsten, dass dieser Planet zu bieten hat. Sie zu verstehen und zu faszinieren ist eine kolossal spannende Aufgabe. Als Imagearchitekten verstehen wir uns in Tiefenpsychologie, darum begegnen wir in unseren Kampagnen den Zielgruppen unserer Kunden auch psychologisch auf Augenhöhe. Wir wollen erwachsene Kommunikation machen, die alle Sinne anspricht und Medien als akzeptanz-spezifische Kanäle nutzt und nicht als Strategie-Ersatz. Lasst uns kräftig die Sinne rocken!